Fairplay in Sport und Business
Von einem umstrittenen Italiener und dem Geist der Corinthians


Der Italiener Paolo di Canio war ein sehr umstrittener Fußball-Spieler, der während seiner mehr als zwanzigjährigen Karriere für so manchen Skandal sorgte. Aber am 15. Dezember 2000 tat er etwas, das ebenso ehrenhaft wie verblüffend war und das den Fußball-Fans bis heute mehr in Erinnerung geblieben ist als all seine Verfehlungen: er demonstrierte in beeindruckender Form Fairplay im Sport.

Fairplay findet immer dort große Aufmerksamkeit, wo ein uneigennütziges Handeln den Akteuren in ihrem Umfeld Mut und Courage abverlangt - zum Beispiel in der aufreibenden Atmosphäre eines hart umkämpften Fußballspiels unter Profis. Auch beim Abschluss eines Ratenkredits ist das Attribut "fair" vorrangig nicht zu erwarten. Doch so wie Paolo di Canio es an jenem Dezembertag tat, so geht auch easyCredit, Exklusiv-Partner des 1. FC Nürnberg, ungewöhnliche Wege und wirbt gleich mit einem ganzen Fairness-Paket. Darin: ein extralanges Rückgaberecht, die Möglichkeit der flexiblen Rückzahlung und ein besonderer Kundenschutz für den Ernstfall (weitere Informationen hier). Und im Gegensatz zu Di Canio, dessen großer sportlicher Moment kurz und nicht repräsentativ war, steht dieses Paket für dauerhaftes Fairplay.

Welche Leistung erbrachte nun Paolo di Canio im Duell zwischen seinem Team, dem  englischen Erstligisten West Ham United und dem FC Everton, das ihm der Fairplay-Preis der FIFA verliehen wurde? 

Di Canio bei der Preisübergabe.

An jenem Freitag stand es in der Partie wenige Sekunden vor dem Abpfiff 1:1, als Evertons Torwart Paul Gerrard aus seinem Kasten eilte, um einen Angriff abzufangen. Bei dieser Aktion verletzte sich der Keeper und sank am Rande des Strafraums zu Boden. West Hams Mittelfeldspieler Trevor Sinclair setzte dem herrenlosen Ball nach und gab eine präzise Flanke zu seinem Mitspieler Paolo di Canio, der zwölf Meter vor dem leeren Tor stand. Aber noch während das Leder durch die Luft segelte und die verzweifelten Abwehrspieler aus Everton versuchten, sich auf der Torlinie zu postieren oder die Flanke abzufangen, hob Di Canio die Arme, zeigte auf den verletzten Torwart - und fing den Ball mit beiden Händen auf. Dann schlenderte er in aller Seelenruhe mit dem Spielgerät unter dem rechten Arm durch den Strafraum auf Gerrard zu, um sich nach dessen Zustand zu erkundigen.

"Di Canio fängt den Ball, sportlich und fair", sagte der englische Fernsehreporter und setze hinzu: "Das ist ja geradezu unglaublich!" Es dauerte einige Sekunden, bis die Zuschauer verstanden hatten was passiert war. Dann standen sie auf und applaudierten Di Canio - obwohl er ihrem Team gerade den Sieg gekostet hatte.

Eine ganz besondere Auszeichnung: die FIFA Fairplay-Trophäe

Für seine Aktion wurde Di Canio im Jahr darauf von der FIFA ausgezeichnet. Diese Fairplay-Trophäe gibt es seit 1987, aber es ist bezeichnend, dass sie nur sehr selten an einzelne Personen geht. In der Regel werden Gruppen ausgezeichnet - zum Beispiel Fans, die sich vorbildlich friedlich verhalten, oder Organisationen, die humanitär tätig sind. Und fast alle der wenigen Einzelpersonen, die den Preis bisher bekommen haben, erhielten ihn für Aktionen, die nur indirekt mit ihrem Sport zu tun haben (der Fußballer Lucas Radebe bekam ihn für sein Eintreten gegen Rassismus) oder eigentlich selbstverständlich sind (der französische Profi Jacques Glassmann wurde ausgezeichnet, weil er einen Bestechungsversuch meldete).

Mit anderen Worten: Obwohl Di Canio an jenem Tag eigentlich nur klassisches Fairplay an den Tag legte, war seine Tat äußerst ungewöhnlich. Klassisch war es deshalb zu nennen, weil er eine Notlage seines Gegners nicht ausnutzen wollte, obwohl die Regeln es ihm erlaubt hätten. Und ungewöhnlich war das, weil es im Profisport fast verpönt ist. Denn viele Berufssportler sind geradezu stolz darauf, das nicht zu tun. Sie verschleiern diese Einstellung gerne, indem sie sich selbst "abgezockt" nennen oder als ein "Schlitzohr" bezeichnen. Aber wann immer man diese Ausdrücke hört, weiß man, dass man es mit jemandem zu tun hat, dem Fairplay nicht so wichtig ist.

Der Geist der Corinthians 

Beim legendären, 1882 gegründeten englischen Verein Corinthian Football Club glaubte man, dass eine solche "unfaire" Einstellung eine Folge der Professionalisierung des Sports wäre. Daher blieb der Corinthians FC ein strikter Amateurverein. Außerdem war man bei dem Klub der Auffassung, dass Fairplay immer dann leidet, wenn um Punkte oder Pokale gerungen wird, deshalb spielten die Corinthians in keiner Liga und nahmen an keinem Cup-Wettbewerb teil. Fairplay war den Mitgliedern des CFC so wichtig, dass sie 1891 empört reagierten, als der Elfmeter eingeführt wurde - weil der ja voraussetzte, dass jemand absichtlich ein Foul begangen hätte. Zu Beginn nahmen die Corinithians daher aus Protest ihren Keeper aus dem Tor, wenn ein Elfmeter gegen sie verhängt wurde, und schossen absichtlich daneben, wenn sie selbst einen erhielten.

Wegen dieser edlen Haltung benutzt man im englischsprachigen Raum für Fairplay auch häufig den Ausdruck "im Geiste der Corinthians". Und deshalb begann am 17. Februar 1999 ein Artikel in der "Herald Tribune" mit folgenden Worten: "Ein Fußballspiel ist annulliert worden, obwohl kein Regelverstoß vorlag. Wie kann das sein? Nun, es gibt einen guten Grund. Er nennt sich Fairplay oder der Geist der Corinthians."

Diese Worte bezogen sich auf einen Vorfall, der sich vier Tage zuvor bei einem Spiel um den englischen Pokal zwischen Arsenal London und Sheffield United ereignet hatte. Einerseits schien er das Misstrauen der Corinthians gegenüber dem Profisport und dem Erfolgsstreben zu untermauern ... aber andererseits bewies er eben auch, dass selbst unter diesen Umständen Fairplay sehr wohl möglich ist.

Ein Schiedsrichter in der Zwickmühle, ein Trainer mit Durchblick

In jenem Pokalspiel stand es in der 80. Minute 1:1, als Sheffields Lee Morris verletzt zu Boden ging. Sein Torwart Alan Kelly spielte den Ball ins Seitenaus, damit Morris behandelt werden konnte. Danach führte Ray Parlour für Arsenal den fälligen Einwurf aus und warf das Leder fair einem Gegenspieler zu. Das Problem war nun, dass Arsenal während der Unterbrechung Nwankwo Kanu eingewechselt hatte. Und dem war offenbar nicht bewusst, wie es zu dem Einwurf gekommen war. Denn er sprintete los, nahm den Ball auf, bevor ein Gegner reagieren konnte, und spielte Marc Overmars an. Der schoss zum 2:1 ein.

Die Spieler und Offiziellen aus Sheffield waren aufgebracht, das Publikum pfiff. Der Unmut richtete sich nicht nur gegen Kanu oder Overmars, sondern auch gegen den Schiedsrichter Peter Jones, der den Treffer gab. Aber der arme Jones hatte keine andere Wahl. Er hätte Kanu zwar wegen unsportlichen Betragens verwarnen und das Tor annullieren können - aber nur, wenn Kanu gewusst hätte, was er tat. Da dem Spieler aber augenscheinlich die Sachlage nicht klar gewesen war, besaß Jones keine Handhabe. Dass Overmars das Zuspiel kaltblütig verwertete und dass die anderen Arsenal-Spieler den Siegtreffer ausgiebig bejubelten, das verbuchte Jones wohl unter "professionellem Verhalten".

Setzte ein Zeichen: Arsene Wenger.

Doch da war noch der Trainer von Arsenal, der Franzose Arsene Wenger. "Das tut mir alles sehr leid", sagte er nach dem Abpfiff. "Wir wollen gewinnen - aber nicht so." Und dann bot er Sheffield United an, das Spiel zu wiederholen! Das stürzte zwar den englischen Fußballverband in große Nöte, weil etwas Derartiges noch nie vorgekommen war, aber zehn Tage später trafen sich die beiden Teams ein zweites Mal. Overmars schoss erneut ein Tor, Arsenal gewann wieder mit 2:1. Diesmal aber "im Geiste der Corinthians".

Diese zwei Beispiele für Fairplay auch im hart umkämpften Profisport kommen zwar beide aus England - maßgeblich beteiligt waren aber Spieler und Trainer aus verschiedenen Ländern. Denn selbst wenn der Begriff Fairplay britischen Ursprungs ist, so gilt die Maxime, auch im Wettkampf ehrlichen und partnerschaftlichen Umgang zu pflegen, auf der ganzen Welt. Im Jahre 1988 bekam zum Beispiel ein Deutscher den Fairplay-Preis der FIFA - Frank Ordenewitz. Am 7. Mai jenes Jahres spielte sein Klub, Werder Bremen, in Köln. Beim Stand von 1:0 für Köln unterlief Ordenewitz ein Handspiel im eigenen Strafraum, das Schiedsrichter Manfred Neuner übersah. Als die Kölner vehement Elfmeter forderten, ging Neuner zum vermeintlichen Täter. "War es ein Handspiel?", fragte er - und Ordenewitz nickte. Durch den Strafstoß gewann Köln mit 2:0. "Ich würde so etwas wieder machen", sagte Ordenewitz und ergänzt "Fairplay gehört zum Sport."

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